R. D. Laing

Stationen seines Lebens:

1943

Klavier-Lizenziat des Royal College of Music, London;

1944

Abitur;

1945-
1951

Medizinstudium an der Universität Glasgow, Assistent von Dr. med. Joe Schorstein, chassidischer Arzt und Philosoph, Laings Mentor in Philosophie (Husserl, à Scheler, à Heidegger) in der Neurochirurgischen Abteilung in Killearn, Schottland; Herbst

1951-
1953

wegen allgemeiner Wehrpflicht während des Korea-Kriegs als Hauptmann in der Armeepsychiatrie tätig;

1952

Heirat mit Anne Hearne, Krankenschwester (3 Töchter, 2 Söhne);

1953

erste wissenschaftliche Publikation;

1953-
1955

Assistenzarzt im Gartnavel Royal Mental Hospital, Glasgow und Mitglied der Schizophrenie-Forschungsgruppe;

1955

«Patient and nurse». Diese Studie zeigt, dass der wichtigste Faktor in der Psychotherapie die zwischenmenschliche Beziehung und die Gefühle der Betreuenden sind.

1956

Diplom in Psychiatric Medicine; im Herbst Umzug nach London. Laing wird Oberarzt in der Tavistock-Klinik und beginnt seine Ausbildung zum Psychoanalytiker im Londoner Institute of Psycho-Analysis. Sein Lehranalytiker ist Charles Rycroft, die Supervisoren sind Donald Winnicott und Marion Milner. Forschungsleiter in der «Schizophrenia and Family Research Unit», Tavistock Institute of Human Relations. Seine theoretischen Überlegungen sind stark beeinflusst vom Philosophen Jean Paul Sartre.

1960

erstes Buch («Das geteilte Selbst»). Graduierung als Psychoanalytiker und Praxiseröffnung.

1961

«Das Selbst und die Anderen»; Forschungsberichte und Fallstudien zu interaktionellen Prozessen und sozialen Fantasiesystemen.

1962

erster USA-Besuch bei Gregory Bateson, Jay Haley. Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Frieda Fromm-Reichman und Harry S. Sullivan. Er verlässt die Tavistock Klinik und wird Direktor der Langham-Tagesklinik für Psychotherapie in London (bis 1969).

1963

Trennung von seiner Frau Anne und Familie. Erste legale Experimente mit LSD in der Psychotherapie. Regelmäßige TV- und Radio-Auftritte.

1964

Herausgeber der Buchserie «World of man».

1964

Forschungsbericht «Sanity, madness and the family».

1965

Gründung und Vorsitzender (bis 1982) der «Philadelphia Association» und Eröffnung der ersten radikal-psychiatrischen, experimental-therapeutischen Lebensgemeinschaft «Kingsley Hall», in der Laing ein Jahr lang lebt. Er lernt seine zweite Frau Jutta Werner kennen, die als Grafikerin fast alle seine weiteren Buchumschläge gestaltete (1 Tochter und 2 Söhne).

1966

«Interpersonelle Wahrnehmung: Eine Theorie und Forschungsmethode» und Entwicklung eines diadischen Wahrnehmungstests für Paare; erster «Distinguished Psychoanalyst in Residence» im William A. White Institute of Psychoanalysis in New York. 1967: Mitorganisator und Vortragender am «Dialektik der Befreiung-Kongress». Das Buch «The politics of experience and the bird of paradise” wird weltweit übersetzt und macht Laing weltberühmt.

1970

das Kingsley Hall-Experiment ist beendet. Weitere therapeutische Lebensgemeinschaften (bis 8 Häuser) entstehen in London und Oxford. «Knoten» wird veröffentlicht. «Die hier aufgezeigten Strukturen sind bisher in keinem System menschlicher Abhängigkeiten klassifiziert worden», schreibt Laing.

1971

«Die Politik der Familie»; im März nimmt er mit der Familie ein Sabbat-Jahr (bis April 1972); Studium der Theravada Buddhist Meditation.

1972

Der Film «Asylum», von Peter Robinson, wird an Laings 45. Geburtstag uraufgeführt. Von 5.-8.11. große USA-Vortragsreise, mit Vorträgen zum Thema «Psychische Embryologie» und «Biopolitik».

1976

«Die Tatsachen des Lebens», ein persönliches Buch zur Frage: wer bin ich?

1980

Teilnehmer, mit R. à May, S. Grof am dreiwöchigen Kongress «Psychotherapie der Zukunft» in Saragossa;

1982

«Die Stimme der Erfahrung», aus Wissenschaft, Psychiatrie, Embryologie und Mythologie.

1985

Beschreibung seines Werdeganges zum Psychiater in Laing (1985); Hauptvortragender am 1. Kongress «The evolution of psychotherapy», Phoenix, Arizona. 1986: Trennung von Jutta Laing. Vortragstätigkeit, v. a. in den USA.

1988

Wohnt mit seiner Lebensgefährtin Marguerita Romayn-Kendon und seinem zehnten Kind in Tirol; schreibt an seinem noch unveröffentlichten Buch: «The lies of love». Die Quelle geistiger Inspiration, mit der Laing verbunden war, überforderte oft Leib und Seele. In seinem letzten Lebensjahr hat Laing vollständig auf Alkohol, den er über einen längeren Zeitraum konsumierte, verzichtet, um den inneren Heilkräften freien Lauf zu lassen.

1989

23. August verstorben in St. Tropez
 

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Wichtige theoretische Beitraege und Orientierungen:

Laings Beitrag zum Verstehen des menschlichen Geistes ist im Feld der interpersonellen Phänomenologie zu finden. Für ihn ist die Erfahrung die Grundlage aller spekulativen Theorie. Als Seelenheilkundler hat Laing beschrieben, was er sieht, wie er sieht, was er wahrnimmt, was Menschen erleben und erfahren in und durch ihre Interaktionen. Laing hat in seinen existenzial-phänomenologischen Studien zum Familien-Kontext von diagnostizierten «Schizophrenen» gezeigt, dass die Erfahrungen und das Verhalten dieser leidenden Menschen, im sozialen Kontext gesehen, viel verständlicher und sinnvoller sind, als bisher angenommen wurde. «Psychotherapie muss der unbeugsame und eigensinnige Versuch zweier Menschen bleiben, die Ganzheit der Existenz durch ihre Beziehung zueinander wieder herzustellen» (Laing, 1967; 1969: 46).Zusammen mit seinen MitarbeiterInnen in den therapeutichen Lebensgemeinschaften schuf Laing einen sozial-kulturellen Lebenskontext, der als heilwirksame Umgebung für Menschen diente, die bis dahin abseits der Gemeinschaft und innerhalb der stigmatisierenden Psychiatrie ohne Heilungserfolg behandelt wurden. Viele verstörte Menschen fühlten sich das erste Mal verstanden und von Laing «gesehen». Laing beschäftigte sich im Spätwerk mit Aspekten unserer «Biopolitik», z. B. der Macht des diagnostischen Blickes als Gefahr in therapeutischen Situationen, der Politik der Hilflosigkeit, Psycho- und Homophobie und der Fähigkeit, unsere Begabungen zu entwickeln.

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Wesentliche Publikationen:

(1953) An instance of the Ganser syndrome. Journal of the Royal Army Medical Corps 99: 169-172

(1960, 1972) Das geteilte Selbst. Köln, Kiepenheuer & Witsch

(1961, 1973) Das Selbst und die Anderen. Köln, Kiepenheuer & Witsch

(1967, 1969) Phänomenologie der Erfahrung. Frankfurt/M., Suhrkamp

(1970, 1972) Knoten. Reinbek, Rowohlt

(1971, 1974) Die Politik der Familie. Köln, Kiepenheuer & Witsch

(1976, 1978) Die Tatsachen des Lebens. Köln, Kiepenheuer & Witsch

(1978, 1980) Gespräche mit meinen Kindern. Köln, Kiepenheuer & Witsch

(1979) Sonnets. London, Michael Joseph

(1982, 1983) Die Stimme der Erfahrung. Köln, Kiepenheuer & Witsch

Laing RD, Cameron JL, McGhie A (1955) Patient and nurse. The Lancet 2: 1384-1386

Laing RD, Esterson A (1964, 1974) Wahnsinn und Familie. Köln, Kiepenheuer & Witsch

Laing RD, Phillipson H, Lee AR (1966, 1971) Interpersonelle Wahrnehmung. Frankfurt/M., Suhrkamp

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Literatur: Biographien und Kritiken:

Burston D (1996) The wing of madness: The life and work of R.D.Laing. Cambridge (MA), Harvard University Press

Clay J (1996) R.D. Laing: A divided self. London, Hodder and Stoughton

Evans RI (1976) R.D. Laing: The man and his ideas. New York, Dutton

Friedenberg EZ (1973) R.D. Laing: Modern master. London, Fontana

Laing A (1994) R.D. Laing: A biography. London, Peter Owen

Laing RD (1985, 1987) Weisheit, Wahnsinn, Torheit. Köln, Kiepenheuer & Witsch

Mullan B (1995) Mad to be normal: Conversations with R.D. Laing. London, Free Association Books

Mullan B (Ed.) (1997) R.D. Laing: Creative destroyer. London, Cassell

Mullan B (1999) R.D. Laing: A personal view. London, Duckworth

Itten T (2001) Laing in Austria. Janus Head 4.1,Pittsburg. S.69-89

Itten T (Ed.) (2011) R.D. Laing. 50 Years after THE DIVIDED SELF.
International Journal of Psychotherapy. EAP / Wien. Vol.15 N.2 July.

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Laing in Austria:

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Itten, Laing und Golowing in Bern 1982

Itten, Laing und Golowin in Bern 1982

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R. D. Laing

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R. D. Laing am Piano

Übersicht

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Wichtige theoretische Beitraege

Wesentliche Publikationen

Literatur

Laing in Austria

 
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